3. Vertiefungsaufgabe: Stopp sagen – aber wie? Reaktion und Gegenrede üben
Worum geht es?
In dieser Aufgabe geht es darum, auf problematische Online-Kommunikation angemessen zu reagieren. Zentral dabei ist, dass die Schüler:innen in erster Linie immer sich selber schützen.
Empathische Gegenrede (auch Counter Speech genannt) und aktive Moderation erhalten dabei eine zentrale demokratiepädagogische Bedeutung: Sie sollen nicht bloss einzelne Kommentare «korrigieren», sondern sichtbar machen, welche Regeln und Werte in einer Community gelten. Ein wichtiges Ziel von Gegenrede besteht darin, gegenüber allen Mitlesenden eine klare Norm zu setzen: Hass, Abwertung und Einschüchterung werden in dieser Community nicht einfach akzeptiert. Besonders wirksam ist dabei die empathische Gegenrede. Damit wird die Community auf die Gefühle des Adressaten / der Adressatin von Hate Speech aufmerksam gemacht und deren Empathie angesprochen.
Die Schüler:innen üben anhand von den bereits bekannten Fallbeispielen, verschiedene Reaktionsmöglichkeiten zu vergleichen und begründet auszuwählen. Dabei wird deutlich: Nicht jede Situation verlangt dieselbe Reaktion. Manchmal ist empathische Gegenrede sinnvoll. Manchmal ist es wichtiger, eine betroffene Person zu unterstützen, einen Inhalt zu melden, ein Bildschirmfoto zu sichern oder Hilfe bei einer erwachsenen Person zu holen. Auch direkt betroffene Personen sollen nicht zur Gegenrede verpflichtet werden. Sie dürfen sich schützen und Unterstützung holen.
Auf myMoment sind die Schüler:innen als Lesende, Schreibende und Kommentierende Teil einer Community. In dieser Aufgabe lernen sie, wie sie als Mitlesende dazu beitragen können, dass der digitale Raum respektvoll, sicher und lebendig bleibt.
Ziele
Die Schülerinnen und Schüler…
erkennen verschiedene Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit toxischer Sprache und Hate Speech.
unterscheiden, wann Gegenrede sinnvoll ist und wann Hilfe, Meldung oder Rückzug wichtiger sind.
beschreiben, wie sie betroffene Personen unterstützen können.
erkennen, dass auch Mitlesende Verantwortung für das Klima einer Community tragen.
üben, in digitalen Kommunikationssituationen deeskalierend und gemeinschaftsstärkend zu reagieren.
optional: digitales kollaboratives Dokument zur Sammlung guter Reaktionen (z.B. Word im Sharpoint oder edupad.ch)
Hinweis für die Lehrperson
In dieser Aufgabe ist besonders wichtig, Gegenrede nicht als Pflicht für betroffene Personen zu vermitteln. Wer selbst angegriffen wird, darf sich zuerst schützen, Abstand nehmen und Hilfe holen. Gegenrede eignet sich vor allem für Mitlesende, die die betroffene Person unterstützen und der Community zeigen können, dass Hass nicht akzeptiert wird.
Die Schüler:innen sollen ausserdem lernen, dass Gegenrede nicht bedeutet, selbst «zurückzuschlagen». Gute, empathische Gegenrede bleibt respektvoll, greift keine Personen an und verstärkt die verletzende Aussage nicht unnötig. Ziel ist nicht Eskalation, sondern Orientierung: Die Community erkennt die Gefühle des Adressaten / der Adressatin, erfährt, welche Sprache nicht akzeptiert wird und wie respektvoller Austausch aussehen kann.
Aufgabenstellungen
Mit der Klasse wir das SRF-School-Video «Hate Speech – Hass im Internet»
angeschaut. Das Video fasst wichtige Inhalte nochmals zusammen und schlägt die Brücke zum Thema dieser Aufgabe (Ausschnitt im Video ab 4:42). Beim Betrachten des Videos steht folgende Reflexionsfrage im Zentrum: Wie können Nutzer:innen auf Hate Speech reagieren?
Die Schüler:innen sammeln anschliessend im Plenum die genannten Reaktionsmöglichkeiten und halten diese sichtbar, z.B. in einem digitalen Dokument fest. Lösungsorientierung: - Empathie zeigen (Die positive Wirkung dieser Strategie konnte wissenschaftlich belegt werden), - anständige Stimme sein, - Verletzung sichtbar machen, - der betoffenen Person zeigen, dass man sich für sie einsetzt, - Grenzen setzen - ...
Die Klasse schaut das Lernvideo «Stopp sagen – aber wie?». Das Video überträgt die Reaktionsmöglichkeiten auf myMoment und andere digitale Plattformen. Es zeigt, dass Gegenrede nicht bedeutet, Recht zu haben. Empathische Gegenrede bedeutet, Haltung zu zeigen, Betroffene zu stärken und der Community zu zeigen: So wollen wir hier nicht miteinander umgehen.
Die Schüler:innen bearbeiten das Arbeitsblatt «Stopp sagen – aber wie?». Für diese Aufgabe nehmen die Schüler:innen das Arbeitsblatt «Eine gemeinsame Sprache finden» aus Aufgabe 2 nochmals hervor. Sie greifen auf ihre Einordnung und Begründung zurück und überlegen nun, welche Reaktion zur jeweiligen Situation passt. So wird sichtbar: Bevor man reagiert, muss man zuerst genau hinschauen, was eigentlich passiert.
In Partner- oder Gruppenarbeit vergleichen die Schüler:innen ihre Entscheidungen. Sie prüfen besonders, ob ihre vorgeschlagenen Reaktionen empathisch, deeskalierend, respektvoll und hilfreich sind. Sie überarbeiten Formulierungen, die selbst wieder verletzend, spöttisch oder abwertend wirken könnten.
Im Plenum werden ausgewählte Fälle besprochen. Die Lehrperson achtet darauf, dass nicht nur Gegenrede als «richtige» Lösung sichtbar wird. Die Schüler:innen sollen erleben, dass Einordnung und Reaktion zusammenhängen. - Bei einer Meinung braucht es vielleicht keine Gegenrede, sondern eine sachliche Antwort. - Bei einer Beleidigung kann eine Grenze oder Unterstützung passend sein. - Bei toxischer Sprache kann positive, empathische Moderation, Melden oder Hilfe holen wichtig werden. - Bei Hate Speech reicht ein einzelner Konter manchmal nicht; dann braucht es Unterstützung, Meldung und klare Community-Regeln.